Ob gefälschte Nacktbilder, Nachteile bei Bewerbungen oder medizinischen Diagnosen – Frauen werden durch Künstliche Intelligenz (KI) häufig diskriminiert. Die Arbeitsgemeinschaft «SPD Frauen» fordert daher einen besseren Schutz. KI werde zu einem Verstärker für bereits bestehende Ungerechtigkeiten, warnt Carmen Wegge, Co-Vorsitzende der Frauen in der SPD, laut einem Papier der Arbeitsgemeinschaft. «Damit wandelt sich der digitale Fortschrittsgedanke ins Gegenteil. Das müssen wir verhindern.» Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin «Spiegel» berichtet.

Zuletzt hatten sexualisierte KI-Bilder auf der Online-Plattform X von Elon Musk für Empörung gesorgt. Musks KI-Chatbot Grok hatte Bilder von unbekleideten Frauen und Kindern erzeugt, die auf X verbreitet wurden. Ein Beispiel für negative KI-Auswirkungen sind auch medizinische Diagnosen, die auf Daten von Männern beruhen und für Frauen unzureichend oder falsch sein können. KI-Systeme können zudem Diskriminierungsmuster in der Gesellschaft verstärken.

Eine der Hauptursachen für die Diskriminierung von Frauen durch KI – oft als «Gender Bias» bezeichnet – ist Kritikern zufolge die mangelnde Beteiligung von Frauen an der Entwicklung dieser Technologien. Zudem seien Algorithmen häufig mit historischen Daten trainiert worden, die bereits Vorurteile enthielten. 

SPD-Frauen: Reform längst überfällig

Die «SPD Frauen» sind die Frauenorganisation der Sozialdemokraten. Ihr gehören nach eigenen Angaben etwa 150.000 Frauen in der SPD an.

Der Bundesvorstand der SPD-Frauen dringt auf eine Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Das schützt Personen vor Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderungen, Alter oder sexueller Identität. Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag zu einer Reform des AGG verpflichtet. 

Mit der «längst überfälligen Reform» müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, «die Vorurteile in Algorithmen (Gender Bias) erkennen und beseitigen», heißt es in einem Papier der SPD-Frauen. Die Politik müsse sicherstellen, dass durch KI getroffene, «persönlichkeitssensible Entscheidungen» vom Schutzbereich des AGG erfasst werden. «Auch zukünftige technologische Entwicklungen, die aktuell nur schwer abschätzbar sind, sollten durch das AGG abgedeckt werden.»

Verbandsklagerecht gefordert

Die SPD-Frauen wollen ferner die Anwendung des AGG erleichtern. So sollen Betroffene länger das Recht haben, gegen Benachteiligung vorzugehen. Zudem fordern sie ein «Klagerecht für Antidiskriminierungsverbände wie es auch im Verbraucherschutz oder beim Behindertengleichstellungsgesetz existiert». 

Die SPD-Frauen schlagen zudem vor, ein neues Merkmal ins AGG aufzunehmen: «Das Merkmal der „familiären Fürsorge“ soll vor Diskriminierung schützen, die vor allem Frauen wegen der von ihnen geleisteten Sorgearbeit erfahren.» Auch das Merkmal der «chronischen Erkrankungen» sollte eingeführt werden.